In dem unheiligen Land namens Mensch
Von Maja Schlatte
Schwarzhumorig, ohne Rätsel, ohne doppelten Boden, klar: Das ist "Heiliges Land" auf der Heunburg. Ein Sezierpräparat der Menschzerstörung.
Dass Inselsituationen, also Belagerungszustände, Okkupationen jeder Art die Menschen verändern, auch wenn sie sich noch so sehr an Galgenhumor als trügerischen Alltagsstrohhalm klammern das haben Ghettos, geteiltes Berlin und vieles mehr gezeigt. Das namenlose "Heilige Land" Mohamed Kacimis zeigt die durch Gewalt entgrenzte Menschlichkeit, den äußeren und inneren Ruin - und die zweifelhafte Krücke Religiosität gleich dazu.
Wer sonst dürfte das? Wer denn, wenn nicht ein Kenner der arabischen Welt? Einer der weiß, wie und wo er den Finger auf die im westlichen Kulturkreis nicht nachzuvollziehende Wandlung eines jungen Mannes zum "Gotteskrieger" legen kann? Kacimi liefert die Geschichte einer Familie in der Okkupation. Aber die Kraft seiner Sprache und die Nichtvereinfachung der Bühnenfiguren siegen über den unbekannten Ort, machen ihn überall unter solchen Umständen möglich. Die Globalisierung des Phänomens "Entmenschlichung" unter Druck gelingt ohne Pathos, ohne Zeigefinger, ohne Moralpredigt, ohne tierisch nervendes Betroffenmachenwollen. Man ist betroffen. Punkt.
Stimmige Charaktere
Keiner der im Konflikt Eingeschlossenen ist einfach gut oder einfach böse; jeder findet seine eigene Rettungsart im Sarkasmus oder im Festhalten an persönlich Wichtigem: Vater Yad (Marko Pustisek) im Arrak, in Erinnerungen an Rouletteabende in Beirut; Mutter Alia (Alexandra Tichy) im Leben an sich (als Hebamme) und an neuen Strümpfen; Sohn Amin (Astrit Alihajdaraj) in Empörung, Zorn und heiligem Kriegertum; der Soldat Ian (Johannes Gabl) in Psychoterror und der Beweisführung von Schöngeistigkeit für sich selbst (die anderen haben keine Ahnung von Musik, von Strawinsky ...). Eine reife Leistung zeigt Diana Kashlan als Nachbarin Imen: Von allen verlassen außer von ihrem Kater Jesus - den sie sucht, beklagt, was sie ihm angetan haben und dem sie versichert, dass vergewaltigt werden nicht so schlimm ist, wenn ihm nur nichts passiert ...
Eine präzise Arbeit des Regisseurs Augustin Jagg und des k.l.a.s.-Teams, gestützt von der Geschlossenheit der Burg. Und ein Monolog von Yad, der Literatur zur vollendeten Dienerin von echter Berührung macht.